Eine Atmosphäre des feinen Geschmacks
Teilnehmer überzeugen beim Abschlusskonzert des Heinrich-Albert-Gitarrenwettbewerbs
Gauting - Bereits zum zweiten Mal wurde am Wochenende der von der Musikschule Gauting-Stockdorf veranstaltete Heinrich-Albert-Gitarrenwettbewerb ausgetragen. jungmusiker aus Süd
und Mitteldeutschland konnten dabei am Samstag vor einer fachkundigen Jury vor
spielen. Den Preisträgern winkte vor allem Anerkennung. Denn der Name des
zeitweise in Gauting lebenden Heinrich Albert steht
nicht nur für einen prägenden Gitarristen der Weimarer
Zeit, sondern auch für einen Musikpädagogen, dessen
Lehrwerk gerade zum Revival durchstartet.
Zum Preisträgerkonzert am Sonntag hatten fast 70 Besucher den Weg ins Gautinger
bosco gefunden, um der Klangästhetik der Konzertgitarre beizuwohnen. Unbeeindruckt vom zornig blasenden
Wind entfaltete sich im geschützten Saal eine Atmosphäre der Ruhe und des feinen Geschmacks, für die keiner der Gitarristen zwischen
elf und 20 Jahre den Notenständer brauchte.
Unter den drittplatzierten Finalisten war Simon Ehrler der jüngste. Hoch konzentriert setzte er die aufgelösten
Strukturen in Waltons 'Alla Cubana' in Szene. Dritte Plätze belegten auch Lucas Fülling und Judith Beschow.
Fülling führte Alberts 'Legende' über den Charakter eines Wiegenlieds bis ins lyrische
Pianissimo, während Beschow mit Justs 'Vier lyrischen Stücken' auch für unerlöst auseinanderstrebende
Töne der Moderne bestes Gespür bewies.
Unter den zweitplatzierten Preisträgern hatten Selim Arslanbek und Dorian Demeny Kompositionen des Namensgebers gewählt. Heinrich Alberts "Menuett" und
'Intermezzo' erschienen in ihrer ruhig-idyllischen Färbung überaus bezirzend. Besondere Spannung erzeugte
hingegen Malte Schützendübel mit Villa-Lobos’ 'Etüde Nr. 11' die mit flirrenden Tönen
und rauen Pulsen den Showdown in einer staubigen Westernstadt zu erzählen schien.
Mit ebenfalls zweiten Preisen gesellte Juliane Bergemann Dowlands trockener
'Pipers Pavane' ein verliebtes Schimmern hinzu, und Eva
Irmgard Enders entbot mit Aguados 'Rondo Brillant'
einen traumhaft gedehnten, kaum mehr irdischen Nachklang eines Tanzes. Faszinierend zu sehen und zu hören,
wie die Gitarre beinahe senkrecht gehalten wurde, als sei sie eine Langhalslaute der Renaissance.
Mit einem Sonderpreis der 'European Guitar Teachers Association' wurde Katja
Wolf geehrt, die Trösters 'Prelude Nr. 1' über ein federzartes Galopp bis zu Anklängen der West-Side-Story
führte. Den ersten Preis trug Carolin Schneider davon, die
mit Dyens 'Fuoco' ein rasch perlendes Stück mit spanischem Charakter ausgesucht
hatte.
"Die Qualität der Beiträge zeigte, dass die Juroren ein schweres Brot hatten, sich auf einen ersten Preis festzulegen", sagte Organisator Christian Hiesel-Schill von der
Musikschule Gauting-Stockdorf strahlend. Mit ihm
strahlte auch das Publikum.
Hatte es nicht das stete elektronische Sirren der technischen Anlagen im bosco gegeben, hätte die Verleihung der
Urkunden auf der Bühne mit Mikrofon stattgefunden und nicht leise getuschelt, und wäre das Konzert eine halbe
Stunde früher gestartet, um die zuletzt knurrenden Mägen zu vermeiden - dann wäre der Mittag perfekt gewesen.
Die Jungmusiker waren es.
Münchner Merkur, 13.11.2007

